Verlag: Devir  Autoren: Germán Millán   Spieldauer: 120 Min    Spieleranzahl: 1-4

Schön, bunt und etwas unübersichtlich

Wer mich kennt, weiß ja mittlerweile, dass ich ein Faible für optisch ansprechende Euros mit tollem Spielmaterial habe. Daher war klar, dass "Bitoku" früher oder später auf den Tisch kommt, denn Devir bietet hier wohl eines der schönsten Spiele der letztjährigen Spielemesse. Und dabei handelt es sich ausnahmsweise mal um keine gesonderte Deluxe-Edition. Was kann das Spiel also spielerisch? Gibt es da irgendwas, das aus der Masse heraussticht? Wir klären das.

Eigentlich recht eingängig, wenn da dieses Regelheft nicht wäre ...

Herrje, diese Regeln. Selten war ich verwirrter und erfolgloser bei der schnellen Suche nach Details, dazu noch diese seltsamen japanischen Begriffe, die das Spiel leider auch nicht thematischer machen und einfach nur verwirren. Gott war froh, dass es mittlerweile ein paar echt gute YouTube-Regelvideos gibt.

 

Denn eigentlich ist "Bitoku" sogar ziemlich schnell erklärt, wenn man denn einen Plan hat. Tatsächlich kann ich das Spiel mittlerweile problemlos innerhalb von 20 Minuten erklären, sodass keine Frage mehr offen ist. Bis man dahin kommt, bedarf es aber ein klein wenig mehr Einarbeitungszeit als bei anderen Spielen. Aber sei´s drum, alles halb so wild. 

Spielerisch eine sehr runde Sache

Was man bei "Bitoku" spielerisch geboten bekommt, könnte man wohl gut als sehr gelungenen Mix aus Dice-Placement und Kartenaktivierung bezeichnen, gezuckert mit ein wenig Set-Collection, Ressourcen-management und einer netten Reisemechanik seiner Pilger. Man merkt schnell, dass die Verzahnung hier sehr gut gelungen ist, sodass sich einem eine beachtliche Zahl an Aktionsoptionen bietet: Kartenaktionen, die Würfel freischalten. Diese Würfel lassen sich dann auf dem Spielbrett einsetzen und Orts- sowie Gebäudeaktionen in Gang bringen. Recht clever ist die Abhängigkeit der Augenzahlen der Würfel, denn diese fallen in steter Regelmäßigkeit, wobei es stets wichtig ist, die Würfel wieder nach oben zu drehen. Dies schafft man aber nur mittels Upgrade-Plättchen, ohne die man schnell ins Hintertreffen gerät. Daneben versucht man natürlich noch Rundeneinkommen mittels Kristallen zu generieren, Zielkarten wollen erfüllt werden, in kleinen Leistenrennen profitieren die engagiertesten am Ende des Spiels, neue und bessere Aktionskarten dürfen erworben werden. Eine ganze Menge also, was man hier tun kann, allerdings ohne überfrachtet zu wirken. Alles greift ineinander, bedingt sich teilweise und schafft schöne Abhängigkeiten und Symbiosen. Klar, optisch wirkt das alles erstmal enorm viel und einige der recht kleinen Symbole müssen verinnerlicht werden, allerdings geschieht das dann doch deutlich schneller als man zunächst denken würde.

Über Spielzeit, Spielgefühl und Langzeitspaß

Mit seinen vier Runden wirkt "Bitoku" erstmal recht knapp bemessen, allerdings muss man sich hier schon im Klaren sein, dass es definitiv eher ein abendfüllendes Spiel ist. Zu dritt spielt man im Schnitt gute zweieinhalb Stunden. Für diese Art von Spiel - einem gehobenen Kennerspiel an der Obergrenze knapp unter Expertenspiel - ist diese Spielzeit aber sehr angenehm. Durch die schnellen Züge hält sich die Downtime doch sehr in Grenzen und auch wenn Mitspieler einem hier und da in die Quere kommen, verbleiben in der Regel weitere gute Optionen. Die Grübelphasen hielten sich bei uns also in allen Spielgruppen in Grenzen und waren nicht störend, ein wenig Denkleistung gehört bei solch einem Spiel auch einfach dazu.

 

Was den Langzeitspielspaß angeht, muss ich sagen, dass ich "Bitoku" nicht dauernd spielen möchte, aber sehr gerne immer wieder. Es bleibt in meinem Regal, da es nicht nur super aussieht, sondern auch spielerisch einige Dinge dann doch signifikant anders macht als andere Spiele. Genau das ist für mich nämlich mittlerweile das Wichtigste, denn es gibt einfach zu viele ähnliche Spiele, von denen man definitiv nicht mehrere benötigt. Aber hier haben wir auf der einen Seite das Dice-Placement, das so in dieser Form und Kombination frisch wirkt, auf der anderen Seite dann das zügige Aktionskartenmanagement und die sehr schöne Reisemechanik mit Pilgern auf dem Pilgerpfad und auf dem eigenen Pfad der Erleuchtung, den man neben seinem Tableau immer weiter ergänzt. Hinzu kommt, dass "Bitoku" kein hartes Mangelspiel ist, sondern eher belohnt und man stetig vorankommt. Die Optionsvielfalt und die Flexibilität, die einem das Spiel eröffnet, fühlt sich gut an und macht das Spiel für mich zu einem Highlight.

Wertungen 

Chris: 8 (Super Spiel, Material und Optik großartig, spielerisch unaufgeregt, aber harmonisch verwoben, gefällt mir richtig gut)

Stefan: 7,5 (Schönes Spiel, etwas überladen und unübersichtlich, aber man kommt schon rein)

Eva L.: 8,5 (hat mich total überzeugt, richtig klasse verzahntes Spiel, ich mag die bunte Optik sehr, auch spielerisch hat es mich voll abgeholt)

Klemens: 8 (Rundum gelungenes Spiel, das auf den ersten Blick komplexer erscheint als es ist, es fehlt mir zwar etwas der Druck bzw. die Spielintensität, aber davon abgesehen hat das sehr viel Spaß gemacht)

FAZIT:

Die kleine Einstiegshürde erstmal überwunden, bietet "Bitoku" einen rundum gelungenen Mix aus Würfeleinsetzen und Aktionskartenspiel,  garniert mit vielen kleinen Nebenschauplätzen, die sich harmonisch einfügen.  Dazu kommt eine tolle, wenn auch etwas überladene Optik - in Summe also ein kleines Highlight.

 

Text: Chris

13.03.2022