Es war einmal ... ein Workerplacement-Spiel

Als eines der ersten Workerplacementspiele überhaupt ist "Caylus" noch heute sehr beliebt. HUCH! bringt nun fünfzehn Jahre später mit "Caylus 1303" das Remake auf den Markt, eine Zusammenarbeit des ursprünglichen Designerteams und den Space Cowboys. Dabei soll das Spielerlebnis etwas kürzer, aber intensiver sein und zahlreiche kleine Änderungen bieten, ohne die Spieltiefe des Originals zu verlieren. Wir haben das Spiel gespielt und verraten Euch, ob es sich lohnt und ob auch Besitzer des Originals zugreifen sollten.

Wie funktioniert das Spiel?

Nacheinander setzt man ganz klassisch einen seiner Arbeiter auf ein freies Feld ein. Die Besonderheit hierbei ist aber, dass die Aktionen nicht sofort durchgeführt werden, sondern immer der Straße entlang in strikter Reihenfolge und auch nur die Orte, die der Vogt - eine auf dem Spielbrett umherziehende Figur -  nicht überquert hat. Dieser startet immer vor dem letzten gebauten Gebäude und kann von den Spielern über mehrere Möglichkeiten bewegt werden. Somit ist es stets riskant, die letzten Gebäude der Straße zu besetzen, da im schlimmsten Fall Mitspieler den Vogt weiterziehen lassen.

 

Innerhalb von 9 Runden sammeln die Spieler Ressourcen und errichten als Baumeister Märkte, Minen, Höfe und andere Gebäude sowie Monumente. Alle Gebäude sind einzigartig und eröffnen neue Aktionen für alle Spieler. Aktiviert ein Spieler ein Gebäude eines Mitspielers, darf er zwar die Aktion ausführen, der Besitzer erhält allerdings stets einen Siegpunkt und unter Umständen sogar Ressourcen.

 

Als Baumeister kann man sich zudem am Bau des Schlosses am Ende der Straße beteiligen. Hier winken viele Siegpunkte und Gunst, vor allem, wenn man in einer Runde fleißiger baut als seine Gegenspieler.

 

Alle Spieler starten zudem mit einem Charakter, welcher seinem Besitzer eine Sonderfähigkeit genehmigt. Weitere Charaktere liegen offen aus. Sobald ein Spieler Gunst erhält, darf er entweder einem Mitspieler einen Charakter stehlen oder sich einen der ausliegenden nehmen sowie eine Bonusaktion ausführen.


Was ist das Besondere an "Caylus 1303"?

"Caylus 1303" ist ein Spiel, das einen unheimlich guten Spielfluss bietet. Die Downtime ist extrem überschaubar, nicht selten ist man selbst zu viert nach 6 Sekunden wieder am Zug. Natürlich muss man auch mal überlegen, aber insgesamt ist der Flow ein extrem angenehmer.

 

Dadurch, dass die Position des Vogts für alle relevant ist, entsteht ein taktisch feiner Wettbewerb um die lukrativsten Plätze und die besten Gebäude und Monumente. Was recht locker beginnt, wird mit zunehmender Spieldauer durch die immer länger werdende Straße mit neuen Gebäuden immer anspruchsvoller.

 

Im Vergleich zum Original unterscheidet sich "Caylus 1303" durch eine wesentlich flottere Spielzeit, entschlackten und gleichzeitig sinnvoll erweiterten Regeln, mehr Variation und natürlich eine wesentlich attraktivere Optik. Die Neuauflage sieht wirklich schön aus, das Material ist prima und die Regeln glasklar. Trotz der "Entschlackung" verliert Caylus nicht an Spieltiefe, die kleinen Änderungen sind allesamt sinnvoll.

Wie sehr gefällt es uns?

Schon viele viele Jahre steht "Caylus" bei uns im Regal und gehört zu unseren liebsten Workerplacement-Spielen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass mich eine Neuauflage so sehr überzeugen könnte, doch "Caylus 1303" ist toll. Richtig toll! Es ist eines dieser Spiele, das eine Wohlfühlatmosphäre bei mir erzeugt, obwohl es keineswegs ein Spiel ist, das man einfach so vor sich herspielt. Aber genau so fühlt es sich an. Obwohl man stets seine Optionen abwägt, gehen die Spielzüge enorm flott von der Hand und manchmal wäre es mir sogar lieber, ich hätte noch einen Tick mehr Zeit zu überlegen. 

 

Die Änderungen der Neuauflage finde ich allesamt gelungen. Auch wenn ich kurz gebraucht habe, um die Neuausrichtung - im Original ging die Straße von oben nach unten, jetzt entgegengesetzt - zu verinnerlichen, hat mich die Neuausrichtung fernab dieser kleinen, optischen Änderung spielerisch voll überzeugt. Die neun Spielrunden fühlen sich genau richtig an; der Schlossbau ist zwar simpler, aber genauso wichtig. Die Charaktere fügen sich super ins Spiel ein und ich liebe die Möglichkeit, anderen einen dieser Helfer zu stibitzen. 

 

Was Anspruch und Komplexität angeht, bewegen wir uns hier wohl auf mittlerem Kennerspiel-Niveau (gegen Ende des Spiels), gleichzeitig sehe ich "Caylus 1303" als unheimlich reizvoll für viele Spielgruppen. 

 

Was die Spieleranzahl betrifft, gefällt es mir wohl zu dritt am besten, allerdings funktioniert das Spiel sogar zu zweit richtig gut. Eine Viererpartie finde ich ebenfalls  reizvoll, auch wenn sich hier natürlich weniger planen lässt, da drei Gebäudeaktivierungen zwischen den eigenen Zügen schon eine Menge sind, vor allem in der ersten Hälfte des Spiels. Zu fünft haben wir es bislang noch nicht gespielt.

Wertungen

Chris: 9 (extrem gutes Kennerspiel mit fantastischem Spielfluss, toller Optik und schönem stetigen Anstieg der Aktionsvielfalt)

FAZIT:

Mega gutes Workerplacement-Spiel mit hervorragendem Spielfluss, angenehmer Spieldauer und schöner Variation. Trotz oder gerade wegen der "Entschlackung" an den richtigen Stellen, überflügelt"Caylus 1303" durch seine Zugänglichkeit sogar das Original und lohnt sich nicht zuletzt aufgrund der deutlich schöneren Optik auch für Besitzer der Originalausgabe.

 

Es gibt spannendere, schönere und sicherlich auch anspruchsvollere Spiele. Aber nicht viele Spiele bringen das, was sie fokussieren, so gekonnt auf den Punkt. Wunderbares Spiel -  für Kennerspiel-Einsteiger wie erfahrene Spieler!

 

Text: Chris

Für diese Rezension stand uns ein Presseexemplar zur Verfügung. Herzlichen Dank dafür an HUCH!.