Verlag: Alley Cat Games   Autor: Matthew Dunstan   Spieldauer: 45-90 Min.    Spieleranzahl: 1-4

Schokolaaaaaade!

Jetzt stehen hier gefühlt zwanzig ungespielte Euro-Spiele im Schrank und trotz selbst auferlegtem Kaufstopp hat es "Chocolate Factory" als Spontankauf doch noch geschafft, hier einzuziehen. Kurzer Zwischenstopp oder langfristiger Regalplatz? Wir haben das Spiel getestet und sind uns einig.

Not macht erfinderisch

Mit Baby in der Trage und gekonntem Wiegeschritt bahne ich mir meinen Weg um den Spieletisch. Eine Aussicht und ein Überblick, der gar nicht mal so schlecht ist. Mein Ziel: die beste Schokoladenfabrik aufzubauen und zu betreiben. Gar nicht so einfach, denn Produktionsmaschinen gibt es in Hülle und Fülle, jede Runde neue, nur wo bau ich die am besten hin, damit meine Bohnen, mein Kakao und Schokoladen-teilchen effizient weiterverarbeitet und ins Lager gebracht werden? Das Fabriktableau mit dem Laufband, auf dem die süßen Teilchen weiterbewegt und an passender Stelle weiterverarbeitet werden, ist wirklich schön gemacht und clever designt. Drei Maschinen in der Fabrik sind bereits vorgedruckt, fünf weitere Plätze vorhanden. Natürlich darf man auch überbauen und schnell wird klar: das alles ist herausfordernder als zunächst gedacht. Da jede Beförderungskachel mitsamt einer neuen Bohne eingeschoben wird, sollte man möglichst sinnvolle Transformationsketten planen. Hier wird die Bohne zum Kakao, da drüben der Kakao zur Schokolade mit Riffeln, dann hier Karamellbonbons, dort Pralinen - selbstverständlich kostet der Einsatz einer Maschine auch Kohle, von welcher man im Laufe der sechs Spielrunden immer mehr erhält. 


Gute Progression, tolle Optik

Ein Produktionsspiel, in dem man immer mehr Ware herstellen und liefern muss, steht und fällt mit seiner Progression. Diesbezüglich macht "Chocolate Factory" alles richtig, da bessere Maschinen zu gegebener Zeit verfügbar werden und somit die Effizienz wunderbar gesteigert wird. Auch die Optik des Spiels hat uns wirklich gut gefallen. Das Cover ist äußerst ansprechend, das double-layer-Fabrikboard toll, die Illustrationen passend und charmant und die Holzressourcen einfach wunderbar. Hier gibt es nichts zu meckern, sondern einfach mal nur ein dickes Lob.

Zum Laden an der Ecke oder ins Kaufhaus?

Natürlich müssen die leckeren Schokoladenteile immer wieder auch ihre Abnehmer finden. So versorgt man mit seinen Waren aus dem Lager einerseits den klassischen Süßwarenladen um die Ecke mittels kleiner, mittlerer und größerer Aufträge. Alternativ beliefert man große Kaufhäuser, sofern man sich in der vorherigen Auswahlrunde, bei der man neue Maschinen und Angestellte wählt, die passenden Angestellten gesnackt hat. Während des Spiels und am Ende gibt alles irgendwie Punkte und man hat die Qual der Wahl, welchen Weg man einschlägt. Viele kleinere und mittlere Aufträge für den Laden sichern möglicherweise 12 Extrapunkte für die meisten erfüllten Aufträge, aber auch die Quantität der Kaufhauslieferungen im Vergleich zu den Mitspielern schüttet enorm viele Punkte aus. Selbstredend, dass man Extrapunkte erhält, wenn man mehrere - im besten Fall sogar alle - Kaufhäuser beliefert hat. Ich habe es eigentlich schon zusammengefasst: alle Lieferungen geben Punkte und man muss zu jeder Zeit schön taktieren, welche Entscheidung man trifft. Hierbei ist die Aktion der Mitspieler oftmals von entscheidender Relevanz, was uns sehr gut gefallen hat.

Jetzt mach schon! Fang nicht an, zu rechnen!

Tatsächlich hat uns wenig an "Chocolate Factory" gestört oder nicht gefallen. Es spielt sich recht fluffig, zumal viele Abläufe simultan ablaufen können, der Auswahlmechanismus zu Beginn des Tages ist simpel wie großartig, die Progression wie schon erwähnt gelungen. Was mich ein klein bisschen gestört hat, waren die recht grübelanfälligen letzten beiden Runden. Klemens hat hier z.B. in einer Partie recht lange gehirnt, ich wollte es nicht übertreiben und habe dann am Ende einer Partie knapp verloren, weil ich EIN falsches Schokoladenteil produziert habe. Hätte ich mir mehr Zeit genommen, wäre dieser Fehler *hust * wahrscheinlich nicht passiert, sowas ist dann halt ein bisschen ärgerlich. Hintenraus rechnet man dann halt aus, was man alles braucht und wie man es am besten anstellt, trotzdem ist die Rechnerei Gott sei Dank nicht so schlimm wie beispielsweise in "Hallertau".

 

Der Glücksfaktor hält sich für solch ein Spiel aus dem oberen Kennerspielbereich in Grenzen, ist aber vor allem bei der Auswahl der Karten vorhanden. Natürlich kann auch das Ziehen einer passenden bzw. unpassenden Ladenauftragskarte hier und da entscheidend sein, aber diese Unberechenbarkeit lieben wir ja bei solchen Spielen. Von daher passt hier alles und ich muss wirklich sagen, dass "Chocolate Factory" ein klasse Kauf war. Es ist thematisch, optisch sehr ansprechend und durchaus spannend, auch wenn die ganz großen Momente und Emotionen fehlen. Das Spiel bleibt ganz sicher im Regal.


Wertungen

Chris: 8 (überraschend gut, optisch klasse, interessante Entscheidungen)

Klemens: 8 (durch die Bank ein sehr gutes Spiel, das ich immer wieder mitspielen würde, die Produktionsmechanik mit Laufband und variablen Maschinen ist klasse)

FAZIT:

Um die Eingangsfrage zu beantworten: "Chocolate Factory" erobert durch eine clever designte Mechanik, eine wirklich gelungene Optik und viele interessante Entscheidungen bei uns einen festen Regalplatz. Ja, die letzten zwei Runden sind für Grübler ein gefundenes Fressen, aber das schmälert den Gesamteindruck dieses absolut gelungenen Spiels nur marginal. Geheimtipp-Empfehlung!

 

Text: Chris