Komplexität: ***

Wars(ch)teiner mit etwas bitterem Nachgeschmack

Wolfgang Warsch ist schon ein kleines Phänomen - wie kein zweiter bringt er durchweg gute und originelle Spiele auf den Markt, nicht zuletzt natürlich die preisgekrönten Quacksalber und Ganz schön clever. Auf die Tavernen im tiefen Thal war ich extrem gespannt, da mich die Optik sofort auf den ersten Blick überzeugt hat. Ein Blindkauf ohne vorherige Infos und zum ersten Mal lässt mich ein Warsch-Spiel eher enttäuscht zurück.

Im Gegensatz zu den Quacksalbern ist dieses Spiel unserer Meinung nach tatsächlich ein Kennerspiel. Gut gefallen hat uns neben der tollen Optik auch das Setting, jeder Spieler verwaltet seine eigene kleine Taverne, in der Bier gebraut und möglichst viel Geld kassiert werden muss. Das funktioniert durch eine generell gelungene Mischung aus Würfel auswählen, Würfel effizient einsetzen und dem Ausbau seines Kartendecks. Wirklich clever ist, dass man sowohl mit Geld, als auch mit Bier neue Karten kaufen kann und man hier immer überlegen muss,

ob man eher Modifikationskarten kauft, die das eigene Deck nicht verstopfen (mit Geld), oder Gästekarten, die mehr Geld und diverse Boni bringen (mit Bier), aber die Tische besetzen und damit für das Ende der eigenen Runde sorgen. Dieser Spielmechanismus ist definitiv interessant und hat seine Momente, allerdings ist das Treiben in den Tavernen trotz ausreichend Aktionsfeldern und Karten recht abwechslungsarm und vor allem nicht sonderlich befriedigend. Woran das liegt, lässt sich gar nicht so einfach beschreiben, aber es fehlt an Spannung und Interaktion.

Man spielt - außer von dem gegenseitigen Wegnehmen der Würfel mal abgesehen - nebeneinander her, was nicht per se schlecht ist, hier aber bei der Ausführung und Auswertung der Aktionen nicht überzeugt. Die Emotionen bleiben größtenteils auf der Strecke, was unter anderem wahrscheinlich auch daran liegt, dass jedem Spieler der hohe Glücksanteil bewusst ist. Man nimmt eben einen der Würfel, der gerade ausliegt, hat hier meist ein bis zwei sinnvolle Optionen, was letztendlich zu wenig ist. Auch die Tatsache, dass es keine effiziente

Möglichkeit gibt, schwächere Karten aus seinem Deck zu bekommen, kann gegen Ende für großen Frust sorgen. Klar, es gibt die drei Tresengäste, mit denen man einen Mulligan, also alle Karten neu ziehen, machen kann. Diese sollte man auch möglichst lange aufheben, um dann am Ende seine guten Karten auch wirklich verwenden zu können. Dieser Zwang, gepaart mit der generellen Armut an effektiven Ausweichmöglichkeiten, sorgte bei uns für ein recht unbefriedigendes Spielgefühl.

Pro:

+ klasse Spielmaterial und nettes Setting

+ solider Spielmechanismus mit guten Ideen

+ mehrere Module enthalten, die zumindest

   ansatzweise Würze ins Spiel bringen

Contra:

- wenig Interaktion

- Glück spielt (oft) eine zu große Rolle

- deutlich zu lang für das, was es ist

- Spielfluss hakt an einigen Stellen

- Aktionsvielfalt doch sehr beschränkt


FAZIT:

Nun ja, wir sind doch ein wenig enttäuscht. Die Tavernen im tiefen Thal ist ein durchaus ordentliches Spiel mit schöner Aufmachung und netten Ideen, in seiner Gesamtheit jedoch nicht vollends durchdacht. Der Spielablauf ist wenig aufregend und befriedigend, die Aktionen sind trotz diverser Verbesserungsmöglichkeiten zu beschränkt und es fehlt eine knifflige Interaktion.

 

Das Problem ist nicht unbedingt, dass das Spiel zu glücksabhängig ist, sondern eher der eigentliche Spielablauf, welcher für ein Kennerspiel zu steril, zu emotionslos und spannungsarm ist. Die Tavernen im tiefen Thal ist kein schlechtes Spiel, aber eben auch kein besonders gutes. Für uns bietet es zu wenig Reiz und zu wenig interessante Situationen, wodurch auch Atmosphäre flöten geht.

  

Text: Chris