Verlag: Breaking Games   Autor: Luke Laurie   Spieldauer: 60-150 Min.    Spieleranzahl: 1-5

Aus dem Nichts mitten ins Herz

Wenn man so viel Zeit ins Hobby Brettspiele investiert wie ich, gibt es wenige Highlights, die man nicht irgendwie auf dem Schirm oder zumindest schon einmal darüber etwas gesehen bzw. gelesen hat. Bei "Dwellings of Eldervale" war das anders. Der Kickstarter ist an mir vorbeigerauscht, als die Auslieferung in diversen Foren gefeiert wurde, hatte ich keine Ahnung, was das für ein Spiel sein soll. Optisch hat es mich aber sofort angesprochen, also habe ich recherchiert. Regelvideo angeschaut - wow, das hört sich gut an. Die üblichen Verkaufsplattformen abgeklappert und ich konnte mein Glück kaum fassen. Ein Exemplar, Legendary-Edition, fairer Preis. Wo gibt's denn sowas? Also schnell gekauft, schnell war der Postbote da und noch schneller das Spiel auf dem Tisch. Und was soll ich sagen - "Dwellings of Eldervale" ist eines meiner neuen Lieblingsspiele. Was mich so begeistert, erfahrt Ihr im Folgenden.

Wie funktioniert das Spiel?

Jeder Spieler verkörpert eines von insgesamt 16 Völkern und startet mit drei Arbeitern. Alle Spieler können drei weitere Arbeiter sowie einen Magier, einen Krieger und einen Drachen beschwören. Jedes Volk hat zudem zwei besondere Fähigkeiten.

Ist man am Zug, setzt man entweder eine seiner Meeple ein und führt die Ortsaktion aus oder man nimmt alle Meeple zurück. Die Besonderheit ist hierbei, dass man auch beim Zurücknehmen der Einheiten Aktionen auf den eigenen Karten aktivieren kann. Während man zu Beginn drei solcher Aktionen hat, kann man die Aktionsvielfalt im Laufe des Spiels erweitern.

 

Während die ersten Aktionen friedlich verlaufen - das heißt, alle Spieler dürfen auf bereits besetzte Felder problemlos setzen - ändert sich dies, sobald alle einmal ihre Arbeiter zurückgenommen haben. Nun wird das Spiel konfrontativer, denn zum Einen greifen Monster an, sofern man ein Feld mit einem solchen bzw. ein benachbartes Feld besetzt. Des Weiteren findet ein Würfel-Kampf statt, sobald man ein bereits von einem Mitspieler besetztes Feld betritt. Auch weitere Mitspieler können dann daran teilnehmen, sofern sie sich angrenzend befinden. Der siegreiche Spieler schreitet auf der Ruhm-Leiste voran und erhält einen Bonus, alle anderen beteiligten Meeple müssen in die Unterwelt. Diese bekommt man zwar auch einfach wieder zurück, allerdings aktivieren diese dann keine Kartenaktionen.

 

Auch das Einsammeln der Ressourcenplättchen ist interessant, da man die darauf abgebildete Ressourcen entweder einfach nehmen darf oder man baut das Plättchen in einen Karten-Slot ein. So lassen sich die Ressourcen dauerhaft generieren durch die Kartenaktion beim Zurücknehmen. 

 

Besucht man ein Dungeon-Feld, darf man Eldervale mit einem neuen Spielplanfeld erweitern. Zudem kann man ein bis zwei Dungeon-Karten erfüllen. Diese geben Schritte auf der Elementarleiste sowie neue Karten mit weiteren Aktionen. Die Elementarleiste ist der wichtigste Faktor beim Generieren von Siegpunkten. Je nachdem wie weit man auf den Leisten voranschreitet, desto mehr Punkte geben Dungeon-Karten der entsprechenden Elementfarbe und gebaute Dwellings - also Häuser - auf Gebieten des jeweiligen Elements. Dabei gibt es eine weitere Einschränkung: für jedes gebaute Haus auf einem Gebiet dürfen drei Dungeon-Karten dieser Elementfarbe gewertet werden.

Häuser kann man bauen, indem man mit einem normalen Arbeiter auf einem Feld steht und diesem mit einer bestimmten Aktion ein Dach aufsetzt. Dann ist dieser für den Rest des Spiels nicht mehr verwendbar, allerdings geben Häuser neben den Punkten am Spielende Vorteile im Kampf. 

 

Das Spiel endet, sobald ein Spieler alle sechs Häuser errichtet hat oder das letzte Spielplanfeld ausgelegt wurde.

Was ist das Besondere an "Dwellings of Eldervale"?

Wo soll ich anfangen? Das Spiel hat einen extrem guten Spielflow, die Aktionen gehen flott von der Hand. Sogar das Kämpfen wurde fantastisch umgesetzt - simpel, aber enorm spannend, denn nur die höchste Augenzahl gewinnt. 

 

Die Ressourcenbeschaffung ist originell und taktisch. Zudem ist "Dwellings of Eldervale" ein wahres Interaktionsmonster. Ständig wird gekämpft und weggeschnappt, dass es eine wahre Freude ist. Die Monster in Eldervale sind cool, ohne zu nerven, und das Spiel punktet durch eine clevere, hochinteressante Siegpunktegenerierung.

 

Dazu kommt, dass die enorm starke Tischpräsenz das Ganze wirklich zu einem Erlebnis macht. Egal ob zu zweit, zu dritt oder zu viert - das Spiel skaliert großartig. Zu fünft haben wir es bisher noch nicht gespielt.

Wie sehr gefällt es uns?

Wie schon gesagt, gefällt es uns hervorragend. "Dwellings of Eldervale" ist ein perfekt konstruiertes Spiel mit allerlei tollen Einfällen. Gleichzeitig wirkt es an keiner Stelle überfrachtet, jedes einzelne Element fügt sich prima ins große Ganze ein. Selbst bei den drei Erweiterungen (Drachen-Hort, Bifröst-Brücke, Orakel) hat man nicht das Gefühl, dass hier - wie bei vielen Kickstartern - einfach nur mehr Content ohne Sinn und Verstand hinzugefügt wurde. Nein, es wird sogar empfohlen, immer nur eine der drei kleinen Erweiterungen ins Spiel zu nehmen und allesamt fügen sie dem Spiel ein kleines, aber feines neues Element hinzu, das zu keiner Zeit aufgesetzt wirkt.

 

Dank den tollen Aufbewahrungsboxen ist eine Partie zügig und unkompliziert aufgebaut, die Regeln sind klar und trotz einiger Regeldetails vergleichsweise schnell erklärt. Was mich extrem beeindruckt hat ist die Eleganz, die der Autor in diesem Spiel kreiert hat. Alles wirkt unheimlich ausgereift und perfekt aufeinander abgestimmt. Das zieht sich von den einzelnen Spielaspekten über die Farbgebung der Elemente, Spielplanteile und Karten - stets erkennt man, welches Element man mit einer Aktion verbessern kann.

 

Der Spielfluss ist so reibungslos und gut durchdacht, dass man voll ins Spiel gesogen wird. Und das Spiel macht einfach durch die Bank Spaß, es gibt kein einziges Spielelement, das nervt oder misslungen ist. Selbst der enorm glückslastige Kampf ist eine spaßige Gaudi, da jeder weiß, dass nur der höchste Würfel zählt. Und ja, ein Würfel kann somit gegen das Maximum von 6 Würfeln gewinnen. Aber das ist okay. Selbst bei einer Niederlage erhält man immerhin eine Trostressource. Dennoch wird man oft vor die knifflige Entscheidung gestellt, wie viele angrenzende Meeple man in den Kampf hineinzieht. Verliert man sie an die Unterwelt, aktivieren sie nämlich beim Zurücknehmen keine Karten. Das ist das eigentliche Problem einer Niederlage.

Das Orakel ist ein zusätzliches Spielfeld, das man beim Spielaufbau hinzufügen kann. Dadurch, dass man auf diesem Feld Dungeonkarten erfüllen kann, ohne weitere Landschaftsteile auszulegen, verlängert das die Spielzeit. Tatsächlich spielen wir mittlerweile nur noch damit, da das Spielende ansonsten recht schnell eingeläutet werden kann. Fast schon zu schnell, wie wir finden.

Die Legendary Edition enthält 8 weitere Monster und verdoppelt damit die Monstervielfalt, was für eine weitere, schöne Variation sorgt. Des Weiteren enthält sie für jeden Monstertyp eine Sound-Base mit je zwei auswählbaren Sounds, die bei einer Bewegung des Monsters abgespielt werden. Taugt das was? Nun ja, es geht so. In den ersten Partien haben wir uns einen großen Spaß daraus gemacht und den blechernen Billig-Sound gefeiert, mittlerweile ist das aber weiß Gott nichts, was man braucht. 

Abschließend erübrigt es sich fast, die Frage nach einem festen Regalplatz überhaupt zu stellen. Selbstverständlich bleibt dieses Spiel hier und ich glaube kaum, dass ich das nochmal hergebe. Meiner Meinung nach eines der allerbesten Spiele der letzten Jahre.

Wertungen

Chris: 9 (die Höchstwertung ziehe ich eigentlich erst nach Jahren, aber das Spiel hat das Potenzial zu einer 10. Fantastisch, einfach großartig. Mir gefällt so gut wie alles an dem Spiel - unfassbar, wie viel Spaß mir das alles macht. So viele großartige Elemente extrem hohe Interaktion und das gewisse Etwas)

Sarina: 8 (Hat mich ehrlich gesagt sehr überrascht. Mit Fantasy-Thema habe ich ja gar nichts am Hut, aber das war schon sehr sehr launig. Gute Optik, hohe Variablität und vor allem eine fabelhafter Mechanik)

Klemens: 8 (Wow, richtig tolles Spiel. Die Interaktion sucht schon ihresgleichen, obwohl ich verloren habe, war das schon extrem spaßig, jederzeit wieder. Definitiv ein besonderes Spiel, auch wenn das Würfelpech einen schon gehörig nerven kann)

FAZIT:

Was für ein großartiger Mix aus Workerplacement und Area-Control. "Dwellings of Eldervale" ist spannend, originell und bietet Emotionen und viel Atmosphäre. Dieses Spiel kam für mich aus dem Nichts und ist bereits jetzt ein Meisterwerk. Zumal das Spiel einen enorm hohen Wiederspielwert bietet und auch noch fantastisch aussieht.

 

 

Text: Chris