Berge des Wahnsinns VR

Also schön. Seit Ewigkeiten spiele ich mal wieder Videospiele, diesmal auf dem PC. Kurze Info zu meiner Vergangenheit: ich habe früher sehr oft Videospiele gespielt, zu oft. Um genau zu sein, hatte ich zwischen 16 und 28 so ziemlich jede neue Konsole, die es gab. Dementsprechend viele Spiele habe ich schon gespielt, was vielleicht auch der Grund war, das Hobby an den Nagel zu hängen. Wieso ich das getan habe? Weil mich die Spiele gelangweilt haben. Außer den Dark Souls Spielen und Witcher 3 habe ich fast alles recht schnell abgebrochen, oft denke ich an die wunderbare Super Nintendo Zeit von damals zurück, schwelge in traumhaften Erinnerungen an "Secret of Mana" oder "Terranigma", auch das N64 war fantastisch. Danach wurde die Grafik besser und besser, die Spiele komplexer ... und immer mehr nach Schema F. Überall Open World, riesige Karten mit einer Million Fragezeichen und sinnlosen Aufträgen abklappern, selbst toll inszenierte Singleplayer-Granaten wie Uncharted haben mich zwar irgendwo gepackt, spielerisch aber immer wieder gelangweilt. Bin ich einfach zu alt? Möglich. Naja, was soll's. Vielleicht kann mich die Virtuelle Realität ja bekehren. Ein mächtiger PC steht zumindest schon mal hier, auch wenn auf dem gar nix gespielt wird. Ja ich weiß, ganz schön blöd. Aber vielleicht lohnt es sich ja jetzt? Seit gut zwei Wochen besitze ich nun eine Oculus Rift S und werde mal berichten, wie mein Start in die VR-Welt war. Los geht es mit "Edge of Nowhere".

 

Um was geht es in dem Spiel?

Als Wissenschaftler bin ich in den 1930er Jahren in der Antarktis unterwegs, um meine Verlobte Ava zu finden. Sie war Teil einer Expedition, seit Wochen kein Kontakt mehr zu ihr. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, dass sie einen anderen Macker hätte, tatsächlich liegt ihre Abwesenheit eher an den gruseligen Dingen, die an diesem Ort vor sich gehen. Thematisch bewegt sich das Ganze zwischen dem Cthulhu-Mythos und dem Horror-Klassiker "Das Ding aus einer anderen Welt" - beides mag ich ganz gerne. Also auf ins Abenteuer.

Bildquelle: Oculus.com

Wie läuft das Spiel auf meinem PC?

Absolut wunderbar. Grafikeinstellungen alle auf Maximum, dazu Super Sampling über das Oculus Tray Tool auf 1.4. Butterweiche 80 Herz, zu keiner Zeit irgendwelche Probleme. Das war aber zu erwarten, das Spiel wurde 2016 veröffentlicht.

Mein System: i7 6700k, Geforce 1080ti, 32GB DDR4 RAM

Bildquelle: Oculus.com

Wie viel Spaß hatte ich?

Jetzt also Tacheles: Ich habe das Spiel durchgespielt. Ja, echt. Seit Ewigkeiten habe ich ein Videospiel beendet. Nun gut, dieses hier war mit etwa vier bis fünf Stunden auch nicht sonderlich lang und ich habe etwa drei Abende häppchenweise daran gespielt, aber man muss ja langsam anfangen, oder? Ich finde es jetzt schon gut, dass viele VR-Spiele nicht ewig lang gehen. Die Gefahr, dass mich das repetitive Gameplay langweilt, ist so schon mal geringer. 

 

Aber wie war es jetzt, dieses VR-Erlebnis? Ich muss sagen: ziemlich cool. Ich muss zugeben, dass mich der derzeitige Stand der VR-Technik überzeugt hat - das Erlebnis erinnert mich an den Sprung, den das Nintendo 64 mit Mario 64 gemacht hat. Was war ich damals beeindruckt. So auch hier. Die Grafik an sich ist nicht sonderlich detailreich, aber das Mittendrin-Gefühl sucht seinesgleichen. Ich war wirklich IM Spiel, habe mich in der Welt umgesehen und das Spiel voll miterlebt. Die Story war jetzt nichts Besonderes, aber unterhaltsam. Was mich beeindruckt hat, waren die Albtraum-Sequenzen, die man immer wieder erlebt. Perfekt inszeniert, sehr gute deutsche Sprachausgabe und teilweise richtig schön mystisch und sogar gruselig. Toll!

 

Spielerisch hätte mich das Spiel ohne VR nicht im Entferntesten interessiert. Man klettert recht viel an Eiswänden entlang, läuft durch die Gegend, schleicht oft an Gegnern vorbei, kämpft im Verlauf des Spiels immer mehr (cool, dass man mit dem eigenen Blick mit der Waffe zielt), rennt und springt auf Plattformen herum. Alles eigentlich absolut 08/15, aber in VR hat das so viel Spaß gemacht wie schon lange nicht mehr. Besonders die Fluchtszenen, bei denen das Eis einbricht und man voller Adrenalin zum rettenden Vorsprung springt, haben mir gefallen. Die Kletterpassagen waren hingegen etwas nervig, ebenso einige Schleichszenen. Dennoch hat mir das Spiel großen Spaß gemacht. Die Inszenierung war wirklich klasse und ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Spiel aus der 3rd-Person-Perspektive in VR so überzeugt. Aber ja, das war ein toller Start. Die Kulissen des Spiels sind teilweise beeindruckend, so dass mir mehrfach ein "Wow" über die Lippen entfloh.

 

Motion Sickness hatte ich zu keiner Zeit, das Spiel macht es einem aber auch sehr einfach. Fixe Kamerawinkel, keine unnatürlichen Bewegungen - nie war mir zu irgendeinem Zeitpunkt schlecht.

 

FAZIT:

Mit "Edge of Nowhere" habe ich genau den richtigen Titel für meinen Einstieg in die VR-Welt ausgewählt. Toll inszeniert, beeindruckende Kulissen und eine nette Cthulhu-Story in eisiger Kälte. Spielerisch war das Rennen, Kämpfen, Klettern und Schleichen zwar ziemlich 08/15, aber in VR hat mir das extrem viel Spaß gemacht.

 

Nervig waren nur die vielen Kletter- und Schleichpassagen, aber in Summe war das schon ein Erlebnis. Ich bin zurück in der Welt der Videospielewelt. Mal sehen, wie lange.

 

Text: Chris