Das GTA für Brettspieler

Escape Plan ist definitiv ein etwas anderes Brettspielerlebnis, wie man es so noch nicht gesehen oder gespielt hat. Wir alle haben nach einem Bankraub eine ganze Menge Kohle quer in der Stadt versteckt, um im Falle eines Falles - der natürlich eintritt - mit möglichst viel davon aus der Stadt fliehen zu können. 

 

Wie funktioniert das Spiel?

Grundlegend hat man drei Tage mit je drei Aktionen Zeit, das meiste Geld aus der Stadt zu bekommen. Nur neun Aktionen in Summe? Ja, klingt nach wenig, aber es ist dann doch mehr, als man zunächst denkt. Jeder Tag hat nämlich noch Puffer für zwei weitere Aktionen, die man, zugegebenermaßen  nicht ganz einfach, zusätzlich erhalten kann. Ist man an der Reihe, hat man zwei Möglichkeiten: passen oder sich bewegen. Passen lässt einen alle benutzten Karten sowie das Pflaster zur Versorgung der Wunden zurückdrehen, was zur richtigen Zeit eingesetzt mächtig sein kann, allerdings verliert man eine der wichtigen Bewegungsaktionen. Zu Beginn des Spiels erhält nämlich jeder seinen ganz persönlichen Escape Plan. Auf diesem steht, wo man wie viel Geld oder Einkommen versteckt hat. Einkommen bringt einem wichtiges Geld für das Spiel selbst, denn es gibt massig kleine Sonderaktionen, für die man immer Zaster in der Tasche haben sollte. Im Verlauf des Spiels kommen immer mehr Stadtteile zum Einsatz, was dafür sorgt, dass alle Orte und Gebäude auch tatsächlich ins Spiel kommen. Es ist eben nur die Frage, wann und wo man sich dann gerade befindet. Daneben streifen natürlich allerhand Polizisten durch die Stadt, für die man immer wieder gewappnet sein muss, ansonsten drohen Wunden, welche in mehrfacher Hinsicht am Ende Geldscheine kosten. Auch die Dienste von Bikern, U-Bahn, Helikoptern und einer Vielzahl an Kontaktpersonen lassen sich geschickt verwenden, natürlich ebenfalls für Bares. Am Ende muss man dann die Stadt noch durch den richtigen Ausgang verlassen, was gleich in zweierlei Hinsicht schwierig werden kann. Zum einen muss man diesen Exit erstmal erreichen, außerdem kostet es immer mehr Geld, sofern andere Spieler bereits vor einem flüchten konnten.

 

Was ist das Besondere an Escape Plan?

Zuallererst muss ich das grandiose Spielmaterial erwähnen, das mehrfach für ungläubiges Staunen gesorgt hat. Wahnsinnig gut und ein echter Genuss, damit zu spielen. Auch spielerisch weiß Escape Plan absolut zu gefallen. Das, was man hier macht, ist neu, originell, gut durchdacht und vor allem spaßig. Größer Pluspunkt: das Thema wurde großartig umgesetzt, alles passt perfekt zusammen und macht größtenteils Sinn. Auch die Tatsache, dass man nur etwa neun bis zwölf Aktionen im gesamten Spiel hat, sorgt für eine schöne Intensität. 

 

Wie sehr gefällt es uns?

Escape Plan hat mit jeder Spielgruppe, mit der wir es gespielt haben, großen Spaß gemacht. Es ist schon ein kleines Erlebnis, was hier geboten wird, zumal es so etwas in dieser Art und Komplexität noch nicht gegeben hat. Der Einstieg ist deutlich leichter als bei Kanban und The Gallerist, allerdings gibt es enorm viele, kleine Miniregeln, die erklärt, verstanden und natürlich berücksichtigt werden müssen. Und genau das ist unserer Meinung nach ein Kritikpunkt, denn hier gibt es in Summe doch etwas zu viel Mikromanagement. 

Thematisch wurde das Ganze hervorragend umgesetzt, vor allem die Kontakte, die man an vielen Orten erhält, sind sehr gelungen und enorm hilfreich. Trotz der begrenzten Aktionsanzahl dauert eine Partie zu viert gute zwei Stunden, denn jeder Spieler überlegt doch recht lange, was er am besten tut. Das ist meistens nicht störend, da auch die gegnerischen Züge die eigenen beeinflussen, aber hin und wieder klopft man dann doch schon mal leicht genervt auf den Tisch. 

Insgesamt ist Escape Plan spielerisch nicht so stark wie die oben genannten Vorgänger. Das liegt vor allem daran, dass man hier ein wesentlich straighteres Gameplay hat, in der agiert und vor allem auch reagiert werden muss. Man baut hier keinen komplexen Siegesplan auf, indem man zahlreiche Elemente verknüpft und geschickt zum richtigen Zeitpunkt ausspielt, was aber in der Natur der Sache liegt. 


Wertungen

Chris: 8 (eigentlich eher 7, aber das Material und die thematische Umsetzung machen das Spiel schon zu einem Erlebnis)

Franzi: 7 (noch nie so tolles Material gesehen, spielerisch interessant, aber kein Highlight)

Eva: 8 (mal was anderes, funktioniert klasse, coole Ideen)

Mark: 7 (gutes Spiel, aber Kanban und Gallerist sind doch noch eine ganze Spur besser)

 

FAZIT:

Escape Plan ist dank seiner fabelhaften Ausstattung und Materialqualität sowie der überzeugenden thematischen Umsetzung ein Erlebnis. Spielerisch kann es durch zu viel Mikromanagement und einem schlankeren Spieldesign den Vorgängern Kanban und The Gallerist nicht das Wasser reichen. Dennoch ein tolles Spiel, das man zumindest einmal gespielt haben sollte.