Komplexität: **(*)

Souveräner Gleitflug mit Punktlandung

"Ach, sieht das schön aus"

"Ja, cool oder? Willst du mitspielen?"

"Hmm ... eigentlich müsste ich ... ach egal, okay, bin dabei."

Flügelschlag ist ein Hingucker, ohne Wenn und Aber. Das Material ist wie schon bei Scythe absolut großartig, allein die Haptik der Anleitung ist phänomenal. Das geht weiter über die griffigen, großen Karten, die bunten Eier (Farben spielen im Spiel keine Rolle, aber hey, es sieht gut aus), das Tableau, die Illustrationen oder der Würfelturm in Gestalt eines Vogelhäuschens. Alles passt perfekt zur ungewöhnlichen Thematik und alle der 170 Karten sind Unikate, auch wenn sich einige Fähigkeiten durchaus wiederholen, was aber

spieltechnisch auch Sinn macht. Einziger Wermutstropfen ist die dünne Rundenübersicht. Warum hier so ein läppisches Blättchen verwendet wurde, ist mir bei der Qualität der anderen Komponenten schleierhaft, aber es stört zumindest nicht großartig. Über die hellblaue Kartenbox aus Plastik kann man auch diskutieren, aber das sei jetzt mal dahingestellt. Uns gefällt sie weniger und sie passt auch irgendwie nicht zum Rest. 

Das Spiel selbst läuft über vier knackige Runden ab, in denen man acht bis fünf Aktionen hat (pro Runde abnehmend), und fleißig Vögel auf den drei

verschiedenen Lebensräumen auf seinem Tableau sammelt. Diese haben oftmals Sonderfähigkeiten, die der Reihe nach ausgelöst werden, sobald man eine der drei Aktionen (Futter sammeln, Eier legen und neue Karten ziehen) durchführt. Die Regeln sind schnell erklärt und die besonderen Aufgabenkarten, von denen jeder Spieler zwei erhält, selbsterklärend und interessant. Es macht wirklich Spaß, sich seine "Vogel-Engine" aufzubauen und trotz immer weniger Aktionen durch seine Vögel attraktive Ketten von 

 

Zusatzaktionen auszulösen. Hierbei muss man natürlich erst einmal ein Gespür dafür bekommen, welche Karten wann und wie Sinn machen, was den Reiz des Spieles ausmacht. Grundsätzlich muss man sagen, dass der Spielfluss hervorragend ist, kaum Downtime herrscht und mit der Futterbeschaffung durch die Würfel im Vogelhäuschen ein wirklich nettes Spielelement integriert wurde.

 

Nach einigen Partien ist bei uns die anfängliche Euphorie zwar etwas verflacht, da sich letztendlich viele Aktionen doch wiederholen, aber dennoch finden wir Flügelschlag ideal, um einen Spieleabend einzuleiten oder falls man mal nur eine knappe Stunde Zeit hat. Das Spiel ist insgesamt zwar fordernd, aber nicht super strategisch, aber das will Flügelschlag auch gar nicht sein. Etwas schade ist, dass das Thema zwar neu und originell ist, jedoch spielerisch nur unwesentlich Atmosphäre versprüht. Man erwischt sich recht schnell dabei, weniger auf die Vögel auf den Karten zu schauen, sondern sucht lediglich nach den passenden Symbolen. Eben ein typischer Nachteil des Spielprinzips und auch Flügelschlag kann in diesem Bereich keine neuen Akzente setzen.

Pro:

+ grandioses Spielmaterial

+ unverbrauchtes Thema

+ flüssiger Spielverlauf mit geringer Downtime

+ clevere Aktionen

+ perfekte Ikonographie

Contra:

- auf Dauer repetitiv

- atmosphärisch hält das Thema nicht,

  was es verspricht

- recht solitäres Spielgefühl


FAZIT:

Dem ganz großen Hype wird Flügelschlag zwar nicht ganz gerecht, allerdings überzeugt das Spiel dennoch durch sein hervorragendes Material, dem ungewöhnlichen Thema und dem knackigen, reibungslosen Spielverlauf.

 

Als Engine-Builder hat Flügelschlag einen dauerhaften Platz in unserem Regal sicher. Kein abendfüllendes Spiel, aber perfekt für zwischendurch. 

 

Text: Chris