Verlag: dlp games   Autor: Arve D. Fühler   Spieldauer: 90 -120 Min    Spieleranzahl: 2-4

Fünf Klöster und eine Straße zum Ruhm

In "Monasterium" schicken wir Novizen in Klostergebäude, Kapellen und Kreuzgänge und feilen an unserem Ansehen in der Domschule. Drei Jahre haben wir dafür Zeit und in diesen drei Runden sind Würfel unseres Glückes Schmied. Denn nur mit der geschickten Auswahl und dem optimalen Einsatz der Würfel heimsen wir den Ruhm ein, nach dem wir streben. Und schnell wird klar: in diesem Spiel kann man eine ganze Menge Hirnschmalz verbrennen. 

 

Wie funktioniert das Spiel?

In "Monasterium" führen wir unsere Aktionen über Würfel aus, die wir aus der Auslage nehmen. Dabei darf man mit Ausnahme der "6", die als Joker fungiert, immer 1-3 Würfel einer Zahl nehmen und entsprechend viele verfügbare Aktionen mit dieser Augenzahl durchführen. Das Besondere dabei ist, dass jeder Spieler eigene (zu Beginn einen) und fünf neutrale Würfel hat.

 

Diese werden zu Beginn geworfen und stehen dann - mit Ausnahme der eigenen Würfel - allen Spielern zur Verfügung. Zu Beginn steht jede Augenzahl für eine Basisaktion, allerdings lassen sich über "1er"-Würfel (oder eben "6er") Novizen entsenden. Das kostet erstmal Ressourcen, je nachdem wohin man den jungen Mann schickt, eröffnet dann allerdings neue Möglichkeiten. Denn jeder entfernte Novize macht eine weitere Aktion einer Würfelzahl möglich - das heißt, dass man mit jeder Augenzahl theoretisch fünf verschiedene Aktionen haben kann: die Basisaktion und die vier freigeschaltenen Sonderaktionen. Verbraucht man dann also einen Würfel, kann man jedes Mal wählen, welche der Aktionen man damit tätigt. 

 

Einen Novizen zu entsenden, ist aber nicht ganz so einfach, denn dies erfordert entweder einen bereits vorhandenen Glaubensanhänger in der Kapelle dieses Klosters oder der eigene Gesandte wird vorstellig. Der Gesandte bewegt sich nämlich die Straße entlang und je nachdem, auf welchem Feld er sich gerade befindet, ist er nur in den Klöstern vorstellig, wo auch ein Weg hinführt. Stehenbleiben ist ohnehin keine Option, den auf der Straße - die übrigens mehrfach befahren werden kann, winken nette Boni und am Ende sogar ein weiterer eigener Würfel bzw. 5 Siegpunkte.

 

Parallel wollen dann noch zufällig ausliegende Aufträge erfüllt, Kirchenfenster errichtet  sowie Mehrheiten in den Klöstern geschaffen und weitere Punktevoraussetzungen erfüllt werden. Das Spiel endet nach 3 Runden, wobei jeder Spieler in jeder Runde einmal Startspieler ist und somit alle Würfel zwei Mal pro Runde zum Einsatz kommen.

Was ist das Besondere an "Monasterium"?

Würfeleinsetzspiele gibt es mittlerweile enorm viele und dennoch gelingt es Arve D. Fühler mit "Monasterium", frische Ideen gekonnt zu einem interessanten und durchaus anspruchsvollen Euro-Erlebnis umzusetzen. Die Spielmechanik ist gut durchdacht, weist absolut keine Regellücken oder Unstimmigkeiten auf und die einzelnen Elemente sind prima miteinander verwoben. Die spielerische Besonderheit ist tatsächlich der originelle Würfelauswahlmechanismus und die Progression durch eine individuelle Entsendung von Novizen, um weitere Aktionen freizuschalten.

 

Die Spielzeit fühlt sich mit ihren 3 Runden perfekt an, zumal alle Spieler in jeder Runde einmal Startspieler sind. Je mehr Novizen man entsendet, desto vielfältiger werden die Aktionsmöglichkeiten - bis zum Spielende erhält man so spielerunabhängig stets Gelegenheit, vieles zu schaffen, was sehr befriedigend ist.

 

Optisch präsentiert sich "Monasterium" sehr klassisch, aber recht ansprechend. Die grafische Gestaltung durch Dennis Lohausen kann man als überaus gelungen bezeichnen. Zu jeder Zeit ist das Ganze übersichtlich und einwandfrei ikonographiert, hier gibt es rein gar nichts zu meckern.

 Wie sehr gefällt es uns?

Insgesamt hat "Monasterium" allen Spielern bei uns gut gefallen. Es sieht ansprechend aus, hat einen wirklich schönen Würfeleinsetzmechanismus und das, was man hier macht, ergibt ein rundes, überzeugendes Ganzes. In der Erstpartie scheint alles erstmal ein wenig undurchsichtig zu sein, vor allem die vielen Extraaktionen überfordern einen erstmal ein wenig. In welcher Reihenfolge soll man was am besten freischalten? Wie wichtig sind die eigenen Würfel? Eher in allen Kapellen vertreten sein oder auf die Multiplikatorwertung konzentrieren? Wie komme ich am besten an die Fenster? Fragen, für die man definitiv eine Kennenlernpartie benötigt. Dann aber macht es recht schnell klick und man weiß grundlegend, wie die Klosterglocken hier klingen.

 

Konzeptionell gefällt mir "Monasterium" grundsätzlich erstmal sehr gut, alles hat Hand und Fuß und man merkt, dass Autor Arve D. Fühler hier viel Arbeit reingesteckt hat. Alles fühlt sich geschliffen und astrein integriert an. Das ist ironischerweise Pro und Kontra zugleich, denn so wunderbar hier alles auch funktioniert, so stimmig die Abläufe auch vonstatten gehen - mir persönlich ist das Spiel ein klein wenig zu linear. Was ich damit meine ist, dass am Ende des Spiels irgendwie meistens alle (sofern sie nicht auffällig suboptimal gespielt haben) ähnlich viel erreicht haben. In unseren Partien war alles immer sehr knapp, was prinzipiell ja nichts Verkehrtes ist, aber am Ende hat dann doch so ziemlich jeder alle Fenster errichtet, alle Kapellen besetzt und meistens auch alle drei eigenen Würfel. Klar, die Aufträgedie Mehrheitenwertung sowie die Ressourcen am Ende des Spiels machen dann halt den Unterschied, das wird einem dann klar, aber hier hätte ich mir doch ein klein wenig mehr Offenheit gewünscht bzw. Möglichkeiten, irgendwo irgendwie Siegpunkte zu machen, die dann keiner meiner Mitspieler "nachholen" kann. Das ist ein sehr subjektives Gefühl, mich stört es aber ein wenig.

 

Hinzu kommt, dass ich nach wenigen Partien bereits meine Strategie gefunden habe und damit auch immer extrem gut fahre, was mich ein wenig enttäuscht zurücklässt. Kann natürlich sein, dass es da noch bessere Wege gibt, aber denke ich an die nächste Partie "Monasterium", weiß ich eigentlich schon, was ich machen werde. Abseits dessen habe ich aber wenig zu kritisieren. Bleibt im Regal, das Spiel hat auf jeden Fall seine Momente und insgesamt ist es schon immer wieder reizvoll.


Wertungen

Chris: 7 (sehr schönes Spiel mit wunderbarem Dice-Placement, interessante Aktionserweiterung durch das Entsende der Novizen, mir persönlich etwas zu linear, irgendwie spiel ich immer sehr ähnlich)

Sarina: 7 (Gutes Kennerspiel, das hier und da etwas kopflastig ist; Thema gut umgesetzt, optisch nett, spielerisch etwas unaufgeregt, kann man aber durchaus immer mal wieder spielen)

Klemens: 8 (Super Spiel, hat mir überraschend gut gefallen, auch wenn ich viel gegrübelt habe, cleverer Würfelmechanismus, das Freischalten der Aktionen ist cool, für mich ein Highlight)

FAZIT:

"Monasterium" schlittert so ein klein wenig am Highlight vorbei, hat aber auf jeden Fall das Zeug dazu. Für Sarina und mich fehlt ein klein wenig zur 8, für Klemens ist sie in Stein gemeißelt. Aufgrund des tollen Würfelmechanismus, der thematisch schön umgesetzten Klostertummelei und der gelungenen Aktionserweiterung gibt es für Euro-Fans aber auf jeden Fall eine klare Empfehlung!

 

Text: Chris

02.01.2021