Komplexität: ***

Siegpunkte, wohin das Auge reicht

Es ist Zeit für einen neuen Nētā-Tanka einen Nachfolger, der den Stamm weiterführt. Doch was muss man dafür tun? Ganz einfach: die leckerste Suppe brauen, das höchste Totem errichten, die meisten Zelte bauen und die feinsten Werkzeuge basteln.

Nētā-Tanka ist ein Workerplacement-Spiel der klassischsten Sorte. Man setzt seine Nomaden abwechselnd auf eine Vielzahl an Aktionsfeldern und führt am Ende alle Aktionen aus. So gesehen absolut nichts Neues, doch zwei Details sorgen für frischen Wind im Genre: Besetzt man nämlich zwei benachbarte Felder, erhält man neben den beiden Aktionen auch noch den Bonus, der sich dazwischen befindet. Dies können schlicht Ressourcen sein, allerdings

 

auch Zusatzaktionen, die - sofern geschickt eingesetzt - den eigenen Zug signifikant verstärken können. Da im Spiel grundlegend ständig Mangelware herrscht, sind Extras unabdingbar. Dieses Spielelement funktioniert wirklich hervorragend und ist oftmals wirklich knifflig. Zudem hat uns sehr gefallen, dass sich auf der Rückseite des wunderschönen Spielplans eine zweite, schwierigere Version befindet - tolle Sache!

Ebenso gelungen ist die Tatsache, dass die Ressourcen immer wieder erst neu erzeugt werden müssen und nicht einfach überall verfügbar sind. Dadurch wird man immer wieder gezwungen, auch für die anderen etwas Sinnvolless zu tun, doch nicht umsonst, denn die Großzügigkeitspunkte, die man dadurch erhält, lassen sich ebenfalls wirkungsvoll einsetzen.

Da alle Spieler nacheinander ihre Arbeiter einsetzen, danach allerdings jedoch in Startspieler-Reihenfolge alle Aktionen eines Spielers abgehandelt werden, muss man höllisch aufpassen, wann man welche Aktion besetzt. 

 

Was uns wirklich gut gefallen hat, ist die geringe Downtime. Niemand muss hier lange warten und man fiebert ständig mit, ob das nächste Feld noch frei sein wird, bis man wieder an der Reihe ist. Auch wenn Nētā-Tanka einen Tick komplexer und anspruchsvoller als das thematisch und spielerisch vergleichbare Stone Age ist, muss man auch hier die gute Zugänglichkeit loben. Die Regeln lassen keine Fragen offen, die Ikonographie ist vollkommen gelungen und überzeugend.

 

Wirklich großartig ist das Spielmaterial der Deluxe-Edition. Schöne Ressourcen aus Holz, bedruckte Holzmeeple, sehr schöne Illustrationen und grandiose Spielertableaus.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass bei uns ausnahmslos alle Mitspieler in verschiedenen Gruppen viel Spaß hatten. Die tolle Optik und einige stimmige Aktionen erzeugen Atmosphäre, der Spielablauf ist flüssig, die Interaktion passt. Klingt durchgehend überzeugend, jedoch gibt es durchaus auch etwas zu meckern: So gut wie alles bringt in Nētā-Tanka am Ende Siegpunkte und grundlegend muss man sagen, dass das Spiel leider keinerlei Steigerung bietet. Die Spannung bleibt etwas auf der Strecke, da man in allen Runden dasselbe tut. Das wird nicht jedem Spieler gefallen, vor allem erfahrenen Spielern, die viele Workerplacement-Spiele kennen und hier etwas Originelles erwarten.

Genau das gilt jedoch auch für Stone Age, das wir nicht nur aus Nostalgie-Gründen noch immer lieben. Insofern macht es zumindest uns nichts aus, das man in Nētā-Tanka nicht wirklich etwas aufbaut oder irgendetwas Besonderes passiert. Das, was letztendlich passiert, ist stimmig und enorm spaßig. Irgendwie ein Gute-Laune-Spiel.

Pro:

+ fantastisches Spielmaterial, tolle Optik

+ astreines Workerplacement

+ geringe Downtime

+ zwei Spielpläne mit unterschiedlicher

   Schwierigkeit

+ gelungene Ikonographie

+ "Stone Age"-Feeling

Contra

- Farbgebung der blauen und lilafarbenen

  Arbeiter zu ähnlich

- fehlender Spannungsbogen, alles bringt 

  "nur" Siegpunkte

 

 


FAZIT:

Nētā-Tanka ist ein richtig tolles, gelungenes Workerplacement-Spiel mit grandioser Optik. Allerdings tauschen wir hier letztendlich nur Ressourcen in Siegpunkte, was vor allem Vielspielern zu wenig sein könnte. Das heißt keineswegs, dass das Spiel nur für Genre-Einsteiger etwas ist, aber man sollte wissen, was einen erwartet, nämlich ein flüssiges, launiges Siegpunkterennen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Irgendwie fühlt es sich tatsächlich wie der etwas größere Bruder von Stone Age an. Ein Feel-Good-Spiel, das uns richtig Laune macht. 

 

Text: Chris