Bunte Würfel fürs ganze Jahr

Attila Szőgyi, der Autor von Ave Roma, versetzt uns in die Steinzeit. Allerdings nur thematisch, denn die Mechanik, die seinem Werk Prehistory zugrunde liegt, ist alles andere als steinzeitlich. Den Kickstarter hatten wir verpasst und es hat etwas gedauert, bis wir das Spiel zu einem vernünftigen Preis bekommen haben. Nun ist es hier und soviel sei schon mal verraten - es hat uns großen Spaß gemacht.

Wie funktioniert das Spiel?

Das Spiel verläuft über fünf Runden bzw. Jahre, wobei alle Spieler abwechselnd in den drei Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst Aktionen durchführen können. Im Winter werden einige Siegpunkte verteilt und Karten aufgefrischt. Es werden hierbei keine Arbeiter für die Aktionen eingesetzt, sondern Ressourcen im Frühling und Aktionssteine im Sommer. Im Herbst dürfen beide dafür verwendet werden, auf einem separaten Spielplan zu migrieren. Die Aktionen an sich sind thematisch und vielfältig: man kann fischen, jagen, Felsenmalerei betreiben, Lager bauen, Früchte sammeln, weitere Männer entsenden oder eine Zeremonie abhalten.

 

Was ist das Besondere an Prehistory?

Wirklich neuartig ist der Aktions- und Zugmechanismus. Der aktuelle Startspieler darf im Frühling und Herbst zuerst agieren, während im Sommer die Reihenfolge umgedreht ist - ziemlich cool. Des Weiteren dienen die bunten Würfel einerseits als Ressourcen, andererseits auch als Aktionssteine, je nachdem wo sie auf dem Spielertableau platziert werden.

 

Wirklich originell ist das zentrale Preisrad, das von Trilithen - besondere Steinformationen - umgeben ist. Jede Aktion ist einem Trilithen zugeordnet und erfordert - zusätzlich zu den jeweiligen Aktionskosten - auch das Ablegen von Ressourcen auf einem der zwei dazugehörigen Decksteine. Jede Aktion lässt sich daher im Frühling maximal nur zwei Mal ausführen. Im Sommer aktiviert man dann dieselben Aktionen mit Aktionssteinen anstatt Ressourcen, was wirklich tricky ist. Die von allen Spielern abgelegten Ressourcen werden dann nämlich zu Aktionssteinen. Ein auf diese Weise absolut genialer Mechanismus, auch wenn man etwas Zeit benötigt, um alles zu durchblicken. Auch die sechs Aktionen auf dem Spielplan werden durch zufällige Preisräder beeinflusst, die glücklicherweise, nicht selten auch gemeinerweise manipuliert werden können. Toll!

 

Besonders ist ebenfalls, dass man im Herbst seine Meeple auf einem weiteren Spielplan bewegen kann. Hierbei eröffnen sich tolle Möglichkeiten, weitere Siegpunkte zu machen.

Wie sehr gefällt es uns?

Außerordentlich gut. Ich muss sagen, dass sich unsere Spielgruppe selten so einig war: Prehistory schafft es wirklich, eine sehr originelle und anspruchsvolle Mechanik astrein und spannend umzusetzen. Auch der separate Migrationsspielplan wurde bombastisch gut integriert und bietet Variation und vielfältige Möglichkeiten. Die Aktionen sind schön thematisch, die Siegpunktegenerierung ideenreich, vielfältig und ausgewogen.

Hinzu überzeugt das Spiel auch optisch, denn die Spielpläne mit ihren Preisrädern sowie die schön illustrierten Tableaus wissen wirklich zu gefallen. Einzig die vielen bunten Würfel passen da nicht hundertprozentig ins Bild, machen spielmechanisch aber natürlich absolut Sinn.

Man muss sagen, dass die Einstiegshürde hier etwas höher ausfällt als bei vielen anderen Spielen, das Spiel selbst aber gar nicht so kompliziert ist, wie man anfangs denkt. Wenn man das Aktionssystem über die Ressourcen und Aktionssteine mal verstanden hat, entwickelt sich ein recht flüssiger Spielablauf, wenn auch kein absolut geschmeidiger. Dazu ist das Spiel zu grübellastig und die Downtime kann je nach Spielertyp ein wenig höher ausfallen als sonst. Bei uns hielt sich jedoch alles stets im Rahmen, ohne dass die Wartezeiten gestört haben.

 

Wertungen

 

Chris: 8 (toller Mechanismus, schöne Optik, für mich ein Highlight, Tendenz zur 9)

Sarina: 9 (absolut gelungenes Spiel, mega hübsch, neuartige und überzeugende Mechanik)

Klemens: 8 (auf ganzer Linie überzeugend, großartige Ideen wunderbar umgesetzt)

Eva: 8 (sehr gutes Spiel, nur die Tierjagd erscheint mir deutlich schwächer als andere Optionen)

Mark: 7 (gelungenes Spiel mit origineller Mechanik, leider sind die Aktionen meiner Meinung nach etwas unausgewogen)

Holger: 7 (hat mir gut gefallen, für mich aber kein Highlight. Würde es wieder mitspielen, aber wahrscheinlich nicht selbst vorschlagen, mehrere Designfehler trüben den Gesamteindruck etwas, eine sinnvolle Spielerhilfe wäre zudem ein Muss gewesen)

FAZIT:

Volltreffer! Prehistory ist ein großartiges Expertenspiel, das frische Ideen auf höchst überzeugende Weise umsetzt und kombiniert. Der Spielfluss mag hier und da ein wenig haken und die Einstiegshürde ist durchaus höher als sonst, aber es lohnt sich. Hat man das System mal verstanden, entwickelt sich ein fantastisches Siegpunkterennen, das auf zwei Spielplänen entschieden wird. Optik und Thema sind zudem mehr als gelungen.

 

Text: Chris