Wein ist wohl eben Geschmacksache

Etwas ernüchtert notiere ich die Wertungen meiner Brettspielgefährten für Viticulture. Ich weiß schon, alles ist Geschmacksacke, schon klar. Ist ja auch gut so. Aber es will mir nicht ganz in den Kopf gehen, warum meine Mitspieler an diesem Spiel so viel kritisieren. Es sieht hübsch aus, ist hochvariabel und bietet eine Menge thematisch passender, interessanter Optionen. Warum sich bei uns dennoch eine heiße Diskussion entwickelt hat, erfahrt Ihr im Folgenden.

Wie funktioniert das Spiel?

 In Viticulture betreiben wir klassisches Workerplacement und bauen mit unseren Arbeitern das eigene Weingut aus, organisieren Touren, erfüllen die Wünsche von Besuchern und produzieren natürlich Weine. Jede Runde teilt sich in Jahreszeiten auf, in der alle Spieler nacheinander Aktionen ausführen können. Die verfügbaren Arbeiter müssen sinnvoll über das Jahr eingeteilt werden. Hat man seinen Weinanbau am Laufen, lassen sich die Bedürfnisse diverser

Besucher und Aufgabenkarten erfüllen.

Wer zuerst 25 Siegpunkte erreicht, löst das Spielende aus.

 

Was ist das Besondere an Viticulture?

Ganz klar: das Thema und dessen Umsetzung. Die Aktionen sind thematisch wunderbar passend. Die Tatsache, dass man zuerst sein Weingut ausbauen und diverse Vorbereitungen treffen muss, bevor man qualitativ überzeugende Weine an den Mann bringen kann, ist sinnvoll und fühlt sich beim Spielen richtig an. Ebenfalls zu erwähnen ist der schöne Zugmechanismus, bei dem alle Spieler gemeinsam die einzelnen Jahreszeiten absolvieren. Immer ist man gespannt, wer welches Feld wählt und möglicherweise einen wertvollen Bonus abstaubt, den man eigentlich selbst haben will. Wer im Winter passt, darf vor den noch aktiven Spielern seine Platzierung bezüglich der Spielerreihenfolge und den dazugehörigen Bonus wählen. Es gibt unzählige Karten, weswegen die Variabilität enorm hoch ist.

 

Wie sehr gefällt es uns?

Mit selbst gefällt es richtig gut. Es sieht extrem schön aus, hat ein gelungenes Thema, einen guten Spielflow und interessante Aktionen. Natürlich ist man etwas auf die Karten angewiesen, die einem die Strategie etwas vorgeben, aber es gibt genügend Optionen, um sinnvoll zu agieren. Bei den anderen Gefährten sieht das ein wenig anders aus. Der einheitliche Tenor lautete, dass das Spiel zu glückslastig sei. Es kam eben vor, dass jemand unbedingt Rotwein anbauen wollte, jedoch selbst nach der achten Rebenkarte nur weiße Traubensorten bekam. Noch schlimmer war es wohl mit Aufgabenkarten: hier haben einige Mitspieler nur schwache oder unpassende Karten erhalten. Wir hatten vor etwa einem Jahr nur mit dem Grundspiel gespielt, wo die Aufgabenkarten uns etwas unausgewogen erschienen. Daher haben wir die Karten mit denen der Besuch aus dem Rheingau - Erweiterung ausgetauscht, deren Fokus mehr auf dem Weinanbau liegt. Das hat das Spiel unserer Meinung nach spürbar verbessert, auch wenn wie gesagt einige Gefährten noch immer nicht zufrieden waren. In einem sind wir uns aber einig: die Tuscany - Erweiterung ist definitiv ein dickes Plus: größerer Spielplan mit vier Jahreszeiten, Spezialarbeiter, Gebietssterne und neue Gebäude. Für uns ganz klar ein Muss. 

 

Für uns erweist sich dadurch eine Hausregel als sinnvoll:

Bei den Rebenkarten liegen immer drei offen aus. Entweder man zieht eine davon oder eine verdeckt vom Stapel. Dies könnte man auch für die Aufgabenkarten machen.

 

Pro:

+ tolle Optik, hervorragendes Spielmaterial

+ thematische Aktionen

+ sinnvoller Ausbau des eigenen Weinguts

+ viel Abwechslung durch zahlreiche Karten

+ angenehmer Spielfluss

 

Contra:

- Glückskomponente beim Ziehen von Karten

  kann entscheidend sein

- Extremstrategien möglich


Wertungen

Chris: 8 (super Spielfluss, thematisch gut umgesetzt, schöner Einsetzmechanismus)

Mark: 6 (zu viel Glück beim Kartenziehen, einige Aktionen und Karten zu stark bzw. zu schwach)

Holger: 6 (mit Hausregel 7, so aber auch für mich etwas zu glückslastig)

Sarina: 7 (schönes Spiel)

Klemens: 6 (an sich ganz gutes Spiel, aber irgendwie packt es mich nicht, auch ich finde die Karten unausgewogen)

FAZIT:

Viticulture ist ein hervorragendes Workerplacementspiel mit tollem Thema, schöner Optik und sehr angenehmen Spielfluss. Der hohe Rang bei Boardgamegeek ist meiner Meinung nach gerechtfertigt. Leider hat das Pech beim Kartenziehen und einige zu starke bzw. zu schwache Karten meinen Brettspielgefährten das Spiel etwas vermiest. Wir spielen daher ab sofort mit obiger Hausregel.

 

Auch wenn unsere Endwertung etwas anderes sagt - Viticulture lohnt sich für alle Liebhaber von thematischen und schnörkellosen Workerplacementspielen. 

 

Text: Chris