Hallo Arne. Stell dich doch bitte einmal kurz unseren Lesern vor. 

"Moin! Ja, ich bin der Arne, bin 44 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Kinder. Ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann und habe bei hochpreisigen Juweliergeschäften gearbeitet, während meiner Elternzeit für unseren Sohn aber gemerkt, dass das irgendwie nichts mehr für mich ist. Nach meiner Elternzeit bin ich darum dann zu Hause geblieben und habe mich um Haus, Garten und Kinder gekümmert, da meine Frau den besseren Job hatte war die Entscheidung zum Glück auch recht einfach und gut umzusetzen.
In dieser Zeit konnte ich mich auch wieder mehr meinem "dritten Kind" - wenn man das so nennen kann - widmen, nachdem es zwischendurch auch mal lange im Dornröschenschlaf lag."

Dein Zivilisationsspiel „Era of Tribes“ sorgt gerade für Aufsehen und ist in aller Munde. Die letzten „Civ“-Spiele, die uns persönlich so richtig abgeholt haben - alle auf ihre ganz spezielle Weise - waren Through the Ages und Clash of Cultures. Was macht dein Spiel denn besonders?

 

"Das ist eine ziemlich schwierige Frage... ich finde alle diese drei Spiele - trotz identischen Themas - total unterschiedlich. Ich habe früher am PC immer Civilization gezockt und fand das einfach nur geil... dieses Spielgefühl wollte ich gerne haben. Möglichst viel Freiraum, Endscheidungsmöglichkeiten, eine Landkarte, unterschiedliche Völker, die sich auch alle in bisschen unterschiedlich spielen. Von der Spieldauer her haben sich die ersten Varianten allerdings auch am PC-Vorbild orientiert. Das Spiel war schei&lang... und es ist so UNENDLICH schwierig, sich von Teilen eines Spieles zu trennen. Das erfordert echt unheimlich viel Überwindung; wenn man das aber einmal geschafft hat und mit einem besseren Spielerlebnis belohnt wird, wird es leichter.
Einige kleine Sachen sind wegen des erfolgreichen KS auch schon wieder drin und viele fragen ja auch nach zusätzlichen Erweiterungen - da kann ich dann einiges wiederverwenden, muss aber alles nochmal komplett überarbeiten, weil´s teilweise einfach auch nicht so gut war. Aber man entwickelt sich auch weiter und ich bekomme so unglaublich viel Feedback aus der Community.
Oje,... wie war die Frage? Ich glaube, ich bin etwas abgeschweift.
Also besonders an meinem Spiel ist denke ich einmal, das man sehr gut eintauchen kann. Man spielt auf einer schönen detaillierten Karte (okay, einigen ist sie ZU detailliert, aber es gibt auch viel zu entdecken) eines von 10 unterschiedlichen Völkern. Dadurch, das jeder sein eigenes Tableau hat, wo er seine Anführer einsetzen kann um damit Aktionen auszulösen, fühlt man sich auch wie ein Herrscher, weil man nicht durch die Aktionen der anderen eingeschränkt wird. Es gibt einen schön verwobenen Technologiebaum und einen wirklich neuartigen Kampfmodus."

 

Brettspiele, vor allem derart komplexe wie dein neuestes Werk, überzeugen auf lange Sicht vor allem dann, wenn die Spieler noch danach über die letzte Partie reden und nachdenken. Ist „Era of Tribes“ so ein Spiel und falls ja, wie schafft es das?

 

"Ich denke schon. Wir sitzen nach einer Partie häufig noch beieinander und reden darüber. Es gibt auch oft sehr emotionale Momente im Spiel - die Zwischenwertungen sind manchmal heiß "umkämpft" und nun ja,... was des einen Freud …
Ich kann mich da gut an eine bestimmte Seeschlacht erinnern - sie ging für mich nicht eben gut aus, trotz hervorragender Aussichten, aber mein Admiral hatte wohl Durchfall oder so - wie könnte ich auch nicht; mein damaliger Gegner spricht mich immer noch gerne darauf an.
Solche Momente - die auch nicht wirklich planbar sind - machen so ein tiefes Eintauchen in eine Geschichte, in ein Erlebnis erst möglich."

 

Liegt der Fokus eher auf Konfrontation mit anderen Spielern, dem Aufbau der eigenen Zivilisation oder gar etwas ganz anderem?

 

"Das kommt ganz darauf an, was ihr möchtet. Wollt ihr eher friedlich eure Reiche entwickeln, spielt ihr ein "normales" Spiel (ca. 30 Minuten pro Spieler, wenn alle es gut kennen und du keine Grübler dabei hast), ihr könnt dann auch das Spielfeld etwas größer machen (ein weiterer Riesenvorteil; je nachdem, wieviele Spieler mitspielen, spielst du auf der ganzen Karte oder nur auf einem Ausschnitt; für 1-4 Spieler sind 12 Aufstellungen vorgegeben, ihr könnt aber auch selber was bestimmen).
Wenn ihr mehr Konflikte wollt, macht ihr den bespielbaren Teil kleiner und/oder spielt ein langes Spiel (45-60 Minuten pro Spieler). Deine Spielrunde kann sich also vorher festlegen, was sie möchte."

 

Was kannst du zur Spieleranzahl sagen? Gibt es einen „Sweet Spot“, bei dem das Spiel deiner Meinung nach am besten zündet?

 

"Nö. Persönlich hat mir der Solomodus Schwierigkeiten bereitet bei der Entwicklung, da ich selber überhaupt kein Solospieler bin. Eines Nachts bin ich aber aufgewacht und hatte ne Idee und die sofort zu Papier gebracht (das muss man machen, damit man das erstens nicht vergisst und zweitens wieder einschlafen kann). Vorher hatte ich Barbarenvölker, deren Aktionen durch Karten gesteuert wurden. Gut, aber das war mir irgendwie zu viel Verwaltungsaufwand, gerade mit sowas wie "if X>Y, then bla; if X<Y, then bribs", nun breiten sich die Barbaren einfach stumpf aus (in verschiedenen Schwierigkeitsstufen) und man muss gegen sie bestehen und gleichzeitig innerhalb von 6 Runden eines der 6 verschiedenen Spielziele erreichen. Das spielt sich wirklich komplett anders ist aber echt cool geworden.

 

Alle anderen Besetzungen (auch 2 Spieler) funktionieren wegen der variablen Spielfeldgröße gleich gut."

 

In Kürze tauchen auch wir in dein Spiel ein und sind schon total gespannt darauf. Welche Tipps hast du bereits im Vorfeld für uns? 

 

"Wie sagte schon Saufix der berühmte gallische Seefahrer:
"Habt immer eine handbreit Moral unter dem Kiel mien Jung!"

 

Herzlichen Dank für das Interview.