Komplexität: ****(*)

Wenn das Hirn am Limit ist ..

"Food Chain Magnate ist ein Spiel, das keine Fehler verzeiht. Wenn ein Spieler einen Fehler macht, kann es sehr hart oder sogar unmöglich werden, zurück ins Spiel zu kommen."

Dieses direkte Zitat aus der Spielanleitung triifft den Nagel auf den Kopf, Food Chain Magnate ist knallhart. Aber der Reihe nach ... alle Spieler starten mit einem Restaurant auf dem variablen Spielplan (je mehr Spieler desto größer) und einem CEO. Dann geht es reihum an die Aktionen: Karten für die Runde aussuchen, Spielerreihenfolge bestimmen und los gehen die Aktionen. Man kann neues Personal einstellen, Essen (Burger und Pizza) und Getränke (Bier, Cola, Limo) produzieren, sein Personal mit einem Trainer schulen,

Werbekampagnen starten (per Reklameschild, Briefkästen, Flugzeug oder Radio), Kellnerinnen spielen (geben immer Trinkgeld) und den Getränkelieferanten losschicken. Auf der wunderschönen Spielehilfe ist auf den Innenseiten ein Personalbaum abgedruckt, der die Möglichkeiten der Einstellung bzw. Weiterbildungen des Personals veranschaulicht. Welche dieser Aktionen man macht, hängt dynamisch von allerlei Faktoren ab: Wie ist die aktuelle Lage auf dem Spielbrett? Welche Strategie verfolge ich? Eher langfristig oder kurzfristig gedacht? Welche Meilensteine will ich unbedingt? Wie spucke ich den anderen in die Suppe und vereitle so ihre Pläne? Fragen über Fragen, die sich über die gesamte Partie erstrecken und niemals aufhören. Es hämmert im Kopf und irgendwann reibt man man sich zermürbt die Augen, ob das gerade Geplante tatsächlich eine gute Entscheidung gewesen war.

Die Spielmechanik an sich ist großartig, einzigartig und funktioniert, allerdings mit Einschränkungen. Während wir vom Spiel zu viert nahezu begeistert waren, machte es zu dritt fast überhaupt keinen Spaß. Dadurch, dass früher oder später zwei Spieler direkt konkurrierten, sich aber gleichzeitig auch durch ihre Werbemaßnahmen voranbrachten, musste der dritte Spieler vor sich hin spielen. Da er sich selbst um alles kümmern musste, war er stets einen Schritt hinten dran, was schlicht nicht aufzuholen war, in keinster Weise.

Nach den Spieleraktionen und den darauffolgenden Marketingkampagnen gehen alle Leute essen, sofern sie irgendeine Werbung erreicht hat. Das Haus mit der niedrigsten Nummer fängt hierbei an und geht dorthin, wo es alles Wünschenswertes bekommt (z.B. Burger und Limo). Jetzt kommt es darauf an, wer dieses Menü denn aktuell verkaufen kann, wie weit der Weg zu diesem ist (pro Spielplanfeld 1 Dollar teuer ... Spritgeld, hehe), wer welche Preisreduzierungen gerade am Laufen hat, usw. Herrscht hier in allem Gleichstand, gehen die Leute in das Restaurant, das mehr Kellnerinnen momentan hat. Man merkt ... ganz schön viel zu bedenken.

Das Spiel benötigt zudem eine Menge Sitzfleisch und durchweg höchste Konzentration. Die Downtime ist teilweise unverschämt lange, da jeder genau weiß, dass ein grober Fehler ihn alles kosten kann.

Noch ein paar Worte zum Spielmaterial. Dieses ist außer den Spielplanteilen und Markern wirklich gut, allerdings haben wir uns entschlossen, ein wenig nachzuhelfen. Für die Ressourcen (eigentlich schon recht gute Holzteile) haben wir noch schöneres Ersatzmaterial besorgt und auf die Rückseite der

Spielplanfelder unserer Meinung nach ein wesentlich hübscheres Design (kostenlos downloadbar bei BGG) geklebt. Außerdem noch diverse Spielhilfen erstellt, so lassen sich die Meilensteine auf einem laminierten Bogen einfach einkreisen bzw. durchstreichen. Dieses Materialupgrade wertet das Spielmaterial merkbar auf, weswegen wir trotz der Tatsache, dass dies keine offizielle Erweiterung ist, unsere persönlichen Punkte anpassen. Muss man nicht haben, kann man aber. :)

 

Info:

Zum Thema Spielmaterial-Upgrades erscheint bald ein Special, weswegen wir hier nicht noch genauer auf unsere Beweggründe eingehen möchten. 

Pro:

+ thematisch großartig umgesetzt

+ fantastische Spielhilfen in Form einer     

   Menükarte

+ außergewöhnlich gute Spielmechanik mit der

   Umsetzung einer Unternehmensstruktur

+ knallhart, bringt selbst Expertenspieler zum 

   Kopfrauchen

+ prima Karten in perfektem Stil

+ schöne Ressourcensteine aus Holz (dennoch ist

   hier noch mehr drin, siehe unser Upgrade)

Contra:

- recht hässliche Spielplanteile und Marker

- teilweise extrem hohe Downtime (zu viele   

   Möglichkeiten und wichtige Entscheidungen)

- zu dritt für uns spaßfrei

- kleine Fehler können extrem schnell das

  Aus bedeuten


FAZIT:

Food Chain Magnate stellt uns erstmals vor ein Problem: Wie bewertet man ein Spiel, dessen Spielspaß von unterirdischen 3 Spielspaßpunkten bis zur Höchstwertung von 10 schwanken kann? Tatsächlich ist dieses Spiel für uns ein ganz Besonderes, aufgrund einiger nicht wegzuredender Defizite müssen wir aber in der Katagorie Spielspaß einen empfindlichen Punkteabzug vornehmen. 

Food Chain Magnate kann genial sein, vor allem zu viert, und den Spielspaß auf das allerhöchste Level katapultieren. Genauso kann es jedoch auch floppen und eine Partie wird zur Qual. Ein (Alb)Traum von einem Spiel, das definitiv in unser Spieleregal gehört.

 

Für alle hartgesottenen Spieler da draußen, die nicht gleich weinen, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes nach intensivstem Kopfzerbrechen über den nächsten genialen Zug plötzlich durch eine läppische Limo-Briefkastenwerbung aus dem Spiel gekickt werden: Kauft euch "Food Chain Magnate"!

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