Komplexität: ****

Terraformen war gestern ...

"Terra Mystica" in Space - hat darauf die (Brettspiel)Welt gewartet? Zumindest erklingt ein einheitlicher Tenor, dass das Gaia Project seinen Fantasy-Vorgänger überflügelt. Nachdem Klemens wieder einmal spät in der Nacht nicht Herr seiner Vernunft war und plötzlich einige Tage später ein großes Paket geliefert wurde (man munkelt, er habe in einer Art Schlafwandlerkäufer-Zustand erneut zugeschlagen), sahen wir uns natürlich verpflichtet, das Spiel auf Herz und Nieren zu untersuchen. 

5 Jahre nach dem Superhit "Terra Mystica" nun also der Nachfolger, der anscheinend vieles noch besser macht als der ohnehin schon grandiose Vorgänger.

Jeder Spieler übernimmt eines von 14 Völkern, selbstverständlich mit dazugehörigen Sonderfähigkeiten, und versucht, auf vielfältigste Weise Siegpunkte innerhalb der sechs Spielrunden zu generieren. Klingt bekannt, was ist also jetzt genau anders? Da wäre erstmal nach dem Setting (statt Fantasy nun also Weltall und Alien-Rassen) der variable

Spielplan.

Völkertableaus, Spielsteine (nicht mehr aus Holz, aber immerhin modellierte Plastikteile), Marker, Technologieplättchen ... alles sieht logischerweise aufgrund des Setting-Wechsels anders aus, im Prinzip hat sich hier allerdings nur im Detail etwas verändert. Der "Terra Mystica"-Kern bleibt gleich und das ist auch gut so. Auf dem Spielfeld gibt es nun neutrale Felder, die Völker haben neue Fähigkeiten und ja, die Ressourcen heißen auch anders. ;-)

 

Spielerisch war es ein dreistündiger Denkmarathon um die bestmöglichen Züge. Wer so etwas mag, ist hier definitiv richtig. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß. Michael beschwerte sich zuerst über sein "lahmes" Volk, bis er realisierte, wie stark das Forschungstableau sein kann, auf dem er durch seine Fähigkeit des Downgradens von Gebäuden immer weiter voranschreiten konnte. Chris konnte mit dem "Schwarm" einen guten Ausgangsplatz auf dem Feld ergattern, weswegen er schnell seine erste Allianz zusammen hatte, die er immer weiter 

ausbaute und fast alle Rundensiegpunkte mitnehmen konnte. Klemens ging auf unterschiedliche Planeten und diverse Siegplättchen, kam jedoch einen Tick zu langsam voran. Am Ende wurde es ein Kopf an Kopf-Rennen, Chris wertete Allianzplättchen mehrfach durch seine Quantum Intelligence Würfel, Michi heimste einen Fortschritt nach dem anderen ein und sicherte sich knapp sowohl in der Planetenanzahl, als auch in der durch Satelliten verbundenen Allianzgebäude den dortigen Sieg. Das Spiel endete mit zwei Siegern, Michi und Chris hatten beide 135 Punkte.

Pro:

+ spielt sich genauso toll wie Terra Mystica

+ sehr komplex und vielschichtig

+ variabler Spielaufbau

+ thematisches Forschungstableau

Contra:

- optisch gefällt es uns aber weniger gut 

- zwar komplexer als der Fantasy-Vorgänger,       aber spielmechanisch keine Weiterentwicklung

- Ressourcenleiste weniger schön als Holzteile


FAZIT:

Aufgewärme Suppe oder verfeinerte Rezeptur? Diese Frage lässt sich für uns gar nicht so einfach beantworten. Gaia Project ist komplexer als Terra Mystica, spielt sich aber quasi gleich. Natürlich gibt es Feinjustierungen und kleine Änderungen, wenn man allerdings genau hinschaut, beschränken sich diese lediglich auf elegante, aber nicht weitreichende Umgestaltungen.

Braucht man beide Spiele? Unserer Meinung nach nein. Welches Spiel ist dann besser? Keines. Ja aber wie entscheidet man sich dann? Für uns bringt die erhöhte Komplexität von Gaia Project nicht den Mehrwert, um dem etwas schlankeren, aber hübscheren und thematisch überzeugenderen Terra Mystica den Rang abzulaufen. ABER ... und jetzt kommt's: Mag man Science-Fiction mehr als Fantasy und schreckt nicht vor der etwas erhöhten Komplexität zurück, ist Gaia Project unserer Meinung nach the game to buy

 

Gaia oder Terra? Sahnesoße oder Tomatensoße? Die Pasta bleibt gleich.

 

Text: Chris

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