Komplexität: ***

Charmanter Aufstieg zum Adel

Siedler anwerben, Häuser bauen, Waren am Hafen verkaufen ... hört sich ziemlich bekannt an. Letztendlich ist es das auch, man muss aber sagen, dass dieses Dice-Placement (Würfel-Einsatz)-Spiel zumindest spieltechnisch die ein oder andere Besonderheit bietet, auch wenn dafür sicherlich kein Originalitätspreis winkt. Aber der Reihe nach ...

Schönes Spielbrett, schöne eingravierte Würfel und ja, schöne Ressourcensteine. Das muss man der Deluxe-Edition lassen, das Spielmaterial macht ohne Frage etwas her. Mobiliar, Waffen, magische Zepter, Schmuck, Bücher und Kunstwerke - alles griffige Holzteile, die das Materialherz höher schlagen lassen. Ein bisschen schade ist, dass die Farben der Spielersteine identisch mit einigen Ressoucensteinen sind, weswegen das der Übersicht hin und wieder zumindest nicht zugute kommt. Aber gut, verschmerzbar.

Das Design der Karten ist toll, die Ikonographie verständlich und schnell begriffen, auch Spielertableaus, Startspielmarker und sonstige Teile wie Boote oder Plättchen sind sehr wertig. Alles gut bis sehr gut auf der Materialseite, einzig die Pappmünzen fallen da ab.

Aber wie spielt sich das Ganze jetzt? Die Antwort darauf ist ein klares "gut", letztendlich fehlt dem Spiel aber die würzige Zutat, um herausragend zu sein. Zu Beginn startet man mit einer Siedlerkarte, aber ohne Figur, weswegen man erstmal darauf bedacht ist, die notwendigen Ressourcen dafür zu sammeln. 

Dafür benötigt man immer zuerst ein Haus, damit dort die Siedler auch einziehen können. Hat man dann  Spielfiguren, kann man diese in den sechs Gilden als Lehrlinge einsetzen (bringen jede Runde Geld und zusätzliche Ressourcen) oder Werkstätten kaufen und Lehrlinge zu Gildenmeistern aufwerten. Aktiviert dann ein Mitspieler eine eigene Werkstatt, winken diverse Boni. Ansonsten das Übliche: es gibt Modifikatorplättchen zum Manipulieren eines Würfels, Felder zum Kaufen von neuen Häusern oder zum Anwerben weiterer Siedlerkarten.

Verkaufen kann man im "Puerto Rico"-Style am Hafen (jede Runde sind andere Ressourcen wertvoller) oder einfach im Schloss seine Ansehensleiste erhöhen. Diese ist essentiell wichtig, da das aktuelle Ansehen gleichzeitig das Maximum für das Würfeleinsetzen bedeutet. Mit einem Ansehen von "12" kann ich also beispielsweise die Würfel "5", "4" und "3" einsetzen, müsste dann auf meine "6" und "1" verzichten. Natürlich kann ich die Würfel auch anders kombinieren, Hauptsache ich komme in Summe nicht über meinen Ansehenswert. Nette 

Mechanik, vor allem, da man das Ansehen während der Runde verändern und dann möglicherweise doch noch den ein oder anderen Würfel einsetzen kann. Gegen Ende erfüllt man dann noch optimalerweise Steinkonzilplättchen, was nichts weiter als handelsübliche Aufträge (gib Rohstoffe und Geld ab für X Siegpunkte) sind. Wobei, nicht ganz ... denn diese kann man nur erfüllen, sofern man mindestens einen Siedler der jeweiligen Rasse (es gibt Menschen, Zwerge, Elfen, Halblinge, Grünelfen und Trobits!!!) auf seinem Spielertableau untergebracht hat. 

In der Spielbox ist zudem noch gleich die "Kanzlererweiterung" dabei, die definitiv eine schöne, kleine Erweiterung darstellt. Zudem gibt es noch Anführerkarten, Events und Vergütungskarten ... alles Dinge, die noch die ein oder andere Kleinigkeit zusätzlich bieten. 

Bisherige Wertungsanpassungen:

12.04.18: Sarina ändert Spielmechanik von 7 zu 6 (Grund: Im Zweierspiel nach mehreren Partien

                etwas eintönig, da sich eine glasklare Strategie bewährt hat)

 

Pro:

+ richtig schönes Spielmaterial (Deluxe Edition)

+ nette Würfeleinsatz-Regeln

+ flotte Spielmechanik

+ Spielzeit mit ca. 35 Min / Spieler optimal

+ sehr verständliche, weil reduzierte 

   Ikonographie

Contra:

- Aktionsvielfalt überschaubar, da alle Gilden im

  Prinzip gleich (außer die jeweiligen Werkstätten)

- ... die sich allerdings leicht repetitiv anfühlt

- Farben der Spieler- und Ressourcensteine

  teilweise identisch, manchmal leidet dadurch

  die Übersicht

 


FAZIT:

Irgendwie macht "Rise of Nobility" Laune und das obwohl sich die Spielzüge recht schnell wiederholen. Oder gerade deswegen? Spielerisch zwar anständig komplex, aber ohne nennenswerte Innovationen, allerdings versprüht dieses Streben nach dem Adel einen gewissen Charme. Ich will nicht so weit gehen und es in einem Atemzug mit einem meiner Lieblingsspiele "Stone Age" vergleichen, aber es geht auf jeden Fall in eine ähnliche Richtung.

Sarina ist noch nicht ganz so überschwänglich begeistert, findet das Spiel aber auch sehr gelungen. Sie stört vor allem die angesprochene Farbenproblematik der Spielsteine, das Kartendesign sagt ihr auch nicht so recht zu.

Zu zweit ist "Rise to Nobility" gut spielbar, allerdings muss man nach einigen Partien klar sagen, dass man schon recht problemlos seine Strategie abspulen kann, ohne großartig daran gehindert zu werden. Man weiß recht schnell, wie der Hase läuft, weswegen es Zeit für eine 4er Runde mit Klemens und Michi wird, damit man sich mehr in die Quere kommt. Dann natürlich mit Wertungsanpassung.

 

Und was genau sind jetzt Trobits? Nach intensivsten Recherchearbeiten in dunklen Gewölbekellern und Bibliotheken fanden wir ein uraltes pdf-Pergament, das den Namen "The Secret of the Five Kingdoms" trägt. Dieses klärt über die Existenz der mysteriösen Rasse auf:

 

Trobits sind Mischlinge einer der Rassen der fünf Königreiche. Sie teilten sich das sogenannte "Wilde Reich" mit den ebenfalls ausgestoßenen grünen Meereselfen. Alle hassten die Trobits." 

 

Aha. Jetzt wär das auch geklärt. Einfach sympathisch, diese Trobits.

 

Text: Chris


Kommentar schreiben

Kommentare: 0